Jahresbrief

Rundbrief zum Jahresende 2019

Liebe Freunde und Förderer der Partnerschaft mit Masatepe / Nicaragua,

nach der Aufstandsbewegung im April 2018 ist es in Nicaragua wieder relativ ruhig geworden, das Land kommt auch kaum noch in der deutschen Presse vor. Die Regierung Ortega / Murillo hat sich anscheinend stabilisiert, das Land ist für Reisende im Moment ähnlich sicher wie es vor den bürgerkriegsähnlichen Zuständen 2018 war. Diese relative Ruhe und Sicherheit ist allerdings vor allem eine Folge von starker Polizeipräsenz und fehlender Rechtssicherheit. Ein großer Teil der politisch Verhafteten wurde inzwischen freigelassen, ein Amnestiegesetz gilt für Teilnehmer an den Protesten ebenso wie für Polizei und paramilitärische Gruppen. Tausende haben sich aus politischen Gründen ins Exil, meist nach Costa Rica, abgesetzt. Die Probleme, die im April 2018 aufbrachen, sind jedenfalls nicht gelöst, eine wirkliche Versöhnung steht nach unserer Wahrnehmung immer noch aus. Die wirtschaftlichen Folgen der Krise sind spürbar. Viele Preise sind deutlich gestiegen, es fällt schwerer, eine Arbeit zu finden, der Tourismus ist dramatisch eingebrochen. In Granada, einst Touristenhochburg, sind Hotels geschlossen.

Selbstverständlich pflegen wir unsere Partnerschaft mit der Comunidad Masatepe weiter. Uns geht es um die Menschen, und unser Kontakt und unsere Unterstützung sind wichtiger denn je. Über viele Jahre gemeinsamer Arbeit ist ein vielfältiges Netzwerk entstanden und hat sich Vertrauen aufgebaut, das auch in schwierigen Zeiten trägt.

Entwicklungsprojekte

So haben wir auch im zurückliegenden Jahr in Kooperation mit der dortigen Asociación de Amistad mehrere Projekte in Masatepe realisieren können:

  • Im Mittelpunkt steht weiterhin die Unterstützung des ambulanten Therapiezentrums für behinderte Kinder und Jugendliche „Angelitos por Siempre“. Gemeinsam mit der Schweizer Gruppe „Brigada Bernesa“ finanzieren wir insg. vier therapeutische Fachkräfte (Logopäden, Physiotherapeuten, Psycholog.) ,eine Verwalterin, die zudem als Psychologin arbeitet, einen Nachtwächter und die Fahrtkosten für die Klienten. 7.247€ sind dafür von unserer Seite im Jahr 2019 nach Masatepe überwiesen worden, jeweils nach Vorlage genauer Abrechnungen und Quittungen. Möglich wurde dies dank großzügiger Spenden seitens der Schulgemeinde der Luise-Büchner-Schule in Groß-Gerau, insbesondere der Schülergruppe „Ayuda para Masatepe“ von Frau Theresa Fernandez, seitens des Kreises Groß-Gerau sowie weiterer Spender.

    Eine besondere Spende für „Angelitos por Siempre“ erhielten wir 2019 von der Groß-Gerauer Firma VS Consulting UG in Höhe von 2.400€. Zusammen mit der Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik im Kreis Groß Gerau, Dr. Marta Wachowiak, sowie dem Partnerschaftsverein hat VS Consulting im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Fernweh-Winter“ eine Multivisionshow zum Thema „Mittelamerika und seine Menschen“ veranstaltet. Der Verkauf der „Tollen Tüte“ u.a. mit bio-fairem Partnerschaftskaffee des Kreises und weiteren Spenden hat diese Summe erbracht. Damit war die Anschaffung von dringend benötigten Geräten und Materialien insbesondere für die Physiotherapie möglich: Therapeutische Liegen, Kompressen, Elektrostimulatoren, Bälle und weitere Geräte. Wir danken Herrn Gruse von der Firma VS Consulting sehr herzlich.

  • 2019 kam ein Hilferuf aus dem Stadtteil Nimboja: Die Straße die durch eine Siedlung des Stadtteils führt, war bis dahin ein unbefestigter und abschüssiger Schlammpfad. Die Bewohner befürchteten, dass in der kommenden Regenzeit die Straße und der Boden unter ihren angrenzenden Häusern weggespült wird. Zu dieser Siedlung haben wir als Partnerschaftsverein eine besondere Beziehung: Die Grundstücke für die Häuser waren vor Jahren von uns gekauft und an die Bewohner übereignet worden, damit sie in Eigenarbeit ihre Häuser erbauen konnten. Genauso war es geschehen. So sagten wir zu, die Befestigung der Straße zu finanzieren. Zum Teil mit Eigenhilfe der Bewohner wurde die Straße befestigt und konnte in der zweiten Jahreshälfte im Beisein von zwei Vorstandmitgliedern eingeweiht werden.

  • Bereits im Juli 2019 wurden der Freiwilligen Feuerwehr Masatepe 865$ für dringend benötigte Materialien wie Tragen, Verbandsmaterial und 1.-Hilfe-Artikel vom Partnerschaftsverein zur Verfügung gestellt. Kurz vor Weihnachten gelang es dem Kreisbrandinspektor Friedrich Schmidt in Verbindung mit der Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik, Dr. Marta Wachowiak, über einen Spendenaufruf Schutzkleidung und Schuhe für die Feuerwehr zu sammeln. Die Materialien werden emissionsarm mit dem Frachtsegler Avontuur nach Mittelamerika verschifft und von dort nach Masatepe weiter transportiert.

  • Über eine Spende der Anne-Frank-Schule Raunheim konnten Wasserschäden an der Schule des Stadtteils San José bereinigt und die dazu notwendigen Reparaturarbeiten durchgeführt werden.
  • Auch im Gebäude der Kultureinrichtung „Fundación Luisa Mercado“ konnten Schäden behoben werden.
  • Die Aktion „Fair genießen“ mit dem Verkauf fair gehandelten Kaffees aus Nicaragua, die auf Initiative von Dr. Marta Wachowiak zustande kam, wurde auch 2019 fortgeführt. Im Dezember wurde dies in eine besondere Geschenk-Aktion eingebunden, indem ein bio-faires Weihnachtsset mit Partnerschaftskaffee, bio-fair Schokolade und einer wiederverwertbaren Einkaufstasche angeboten wurde. Der Gewinn kommt uns als Partnerschaftsverein für das Zentrum „Angelitos por Siempre“ zugute. Der Kaffee ist weiterhin über die Kreisverwaltung in Groß-Gerau und den Eine-Welt-Laden in Raunheim erhältlich.

  • Die Schule und die Medikamentenausgabe der Asociación „Damas Salesianas“ hatten uns einen Antrag über fast 10.000 übermittelt, um den Außenanstrich und Fenster zu erneuern, Schäden am Dach zu reparieren sowie Schäden am Eisengitter außen zu beseitigen und die Fenster zu vergittern. Die Schule liegt in einem Brennpunktviertel und ist immer wieder Vandalismus und Einbrüchen ausgesetzt. Wir haben diesen Antrag bei dem Kleinprojekte-Fond der Schmitz-Stiftung, Bielefeld, eingereicht, und kurz vor Weihnachten kam jetzt eine Zusage über einen Betrag von insgesamt 8.880€, wovon wir als Partnerschaftsverein 25%, also 2.220€, selbst aufbringen müssen. Damit kann das Projekt Anfang 2020 verwirklicht werden.
  • Im Dezember 2019 hat die Koordinatorin für Kommunale Entwicklungspolitik, Dr. Marta Wachowiak, an Engagement Global eine „Interessenbekundung zur Teilnahme am Projekt kommunale Nachhaltigkeitspartnerschaft“ im Rahmen der Partnerschaft mit Masatepe angemeldet. Dabei geht es zunächst darum, den durch die beiderseitigen Besuche im Jahr 2018 begonnenen Austausch über mögliche gemeinsame Projekte mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit fortzuführen, um dann auch mögliche, gemeinsam geplante Projekte zu verwirklichen. Wir als Partnerschaftsverein unterstützen dieses Vorhaben und hoffen auf Zustimmung von Engagement Global sowie auf eine positive Resonanz der Stadtverwaltung in Masatepe.

Freiwilligendienst „Weltwärts“

Gegenwärtig gibt es aufgrund der Ereignisse im April 2018 keine Freiwilligen aus Groß-Gerau in Masatepe. Auch für das Jahr 2020 hat Engagement Global das Land Nicaragua für den Freiwilligendienst aus Deutschland gesperrt, die Situation erscheint noch nicht stabil genug. Wir hoffen, dass wir absehbar wieder Freiwillige nach Masatepe schicken können. Deshalb haben wir jetzt den Antrag auf Re-Zertifizierung gestellt, also die Qualitätsüberprüfung als Entsendeorganisation für Freiwillige, um weiterhin Freiwillige entsenden zu können.

Seit August 2018 bis Januar 2020 (mit einem halben Jahr Verlängerung) ist mit Julio Sanchez ein Süd-Freiwilliger aus Masatepe in Groß-Gerau. Julio arbeitet erfolgreich bei der Kreisvolkshochschule, er hat sich gut eingelebt, spricht inzwischen hervorragend Deutsch und fühlt sich in seiner Gastfamilie sehr wohl. Mitte Januar 2020 beendet er sein Voluntariat und kehrt nach Masatepe zurück, dort wird er hoffentlich seine gute Verbindung zu Deutschland und seine Sprachkenntnisse beruflich verwenden können und durch die Mitarbeit in der „Asociación de Amistad“ weiter einbringen.

Von August bis Dezember 2019 war Leyzer Izaguirre als Freiwilliger in Groß-Gerau. Auch er arbeitete in der VHS, lernte fleißig Deutsch und hatte begonnen, sich einzugewöhnen. Leider musste er aus Studiengründen sein Voluntariat nach einem halben Jahr beenden, er ist Ende Dezember 2019 nach Masatepe zurückgekehrt.

Veranstaltungen

Neben der Teilnahme an überregionalen Vernetzungstreffen ist besonders erwähnenswert die sehr erfolgreiche Musikveranstaltung mit der nicaraguanischen Sängerin Gaby Bacca im Kulturcafé Groß-Gerau im April sowie die Teilnahme am Eröffnungstag der „Internationalen Woche“ im September in Groß-Gerau.

Unsere Homepage wurde in der zweiten Jahreshälfte von Julia Frühwacht, Kommunikationsdesignerin, überarbeitet und erhielt ein völlig neues Design. Wir bedanken uns herzlich bei Hans-Jürgen Pilgerstorfer, der die Homepage ehrenamtlich über viele Jahre hervorragend gepflegt hat. In Zukunft übernimmt diese Aufgabe Max Friedrich, Student für Informatik. Es lohnt sich, ab und an die Homepage anzuklicken, auch um jeweils aktuelle Informationen über unsere Aktivitäten zu erhalten.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei allen Privatpersonen, Schulen und Schulgruppen, Firmen, Gemeinden, dem Kreis Groß-Gerau und den Freiwilligen Feuerwehren des Kreises für ihre großzügigen Spenden und ihre Unterstützung. Ohne ihre Unterstützung wären Projekte wie die 2019 durchgeführten zugunsten unserer Partnergemeinde Masatepe und ihrer Bürger nicht möglich. Ebenso bedanken wir uns bei der Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik, Frau Dr. Marta Wachowiak, für die wirklich gute Zusammenarbeit und die zahlreichen Impulse, die sie in unsere Partnerschaft eingebracht hat.

Unseren Dank möchten wir ebenfalls allen Mitgliedern unseres Vereins für ihre Unterstützung übermitteln, besonders denen, die im Vorstand aktiv und ehrenamtlich mitarbeiten. Wir würden uns sehr freuen, im kommenden Jahr mehr und vor allem auch jüngere aktive Mitstreiter gewinnen zu können.

Wir wünschen Ihnen allen ein gutes, gesundes und friedvolles Jahr 2020

Partnerschaftsverein Kreis Groß-Gerau – Masatepe / Nicaragua e.V.

Für den Vorstand
Heiner Friedrich, Vorsitzender

Rundbrief zum Jahresende 2018

Liebe Freunde und Förderer der Partnerschaft mit Masatepe/Nicaragua,

zum Jahresende wollen wir einmal ausführlicher über die Arbeit unseres Vereins und die Situation in unserer Partnerstadt Masatepe berichten. Leider ist es so, dass durch die politischen Ereignisse in Nicaragua auch unsere Partnerschaft betroffen ist. Die Protestbewegung gegen die Regierung Daniel Ortega / Rosario Murillo, die sich seit dem 18. April 2018 entwickelt und weite Teile des Landes erfasst hatte, ist seitens der Regierung gewaltsam niedergeschlagen worden. Auf Demonstranten wurde gezielt geschossen, es gibt Verfolgungen und Verhaftungen, neben der Polizei waren und sind paramilitärische Gruppen aktiv. Dagegen wurden Barrikaden errichtet und es kam zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Ca. 400 meist junge Menschen wurden dabei getötet, es gab viele Verletzte, Tausende sind inzwischen untergetaucht oder haben das Land verlassen. Gegenwärtig versucht die Regierung Ortega-Murillo, ihre Macht mit diktatorischen Mitteln zu festigen. Demonstrationen werden verboten, Kritiker werden als Putschisten oder Terroristen bezeichnet und eingeschüchtert oder verhaftet, paramilitärische Gruppen kontrollieren das Land. Wirtschaftliche Auswirkungen sind spürbar, die meisten Fabriken der zonas francas haben fast ohne Unterbrechung gearbeitet, der Tourismus ist allerdings weitgehend eingebrochen und viele Menschen haben ihre Arbeit verloren. Jüngst wurde bei neun NGO die juristische Person aberkannt, ihre Räume wurden von der Polizei besetzt, Unterlagen und die Kasse beschlagnahmt. Praktisch bedeutet das ein Verbot dieser Organisationen.

Im April 2018, Tausende demonstrieren für Freiheit und Demokratie, NicaraguaIm April 2018: Tausende demonstrieren für Freiheit und Demokratie

Auch in Masatepe kam es zu Demonstrationen und zum Bau von Barrikaden. Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt, nicht zuletzt durch Paramilitärs, die vor allem in den Abend- und Nachtstunden die Straßen kontrollieren, sowie durch Einschüchterungsmaßnahmen gegenüber Regierungskritikern. Die Arbeit im Rahmen unserer Partnerschaft ist durch die Ereignisse erheblich schwieriger geworden. Eigentlich geplante größere Projekte wie die Verbesserung der Müllentsorgung u.a. durch die Anschaffung eines Müll-Fahrzeugs über 50.000€, gefördert aus Bundesmitteln für Entwicklungshilfe, wurden verschoben. Dennoch: In den 25 Jahren unserer Partnerschaft mit Masatepe ist ein stabiles Netzwerk entstanden und konnte auf beiden Seiten zwischen den handelnden Personen Vertrauen aufgebaut werden. Diese Verbindung werden wir auf jeden Fall weiter pflegen und den Dialog fortführen, um vielleicht auch zu einer demokratischen Lösung der gegenwärtigen Krise beizutragen. Und wir sind grundsätzlich weiter bereit, Projekte in Nicaragua zu unterstützen, soweit dies möglich ist.
Unsere Hilfe galt nie einer Regierung, sondern war immer eine Hilfe von unten, um die Lebenssituation der Menschen zu verbessern. Die Menschen in Masatepe bitten darum, dass wir sie gerade jetzt nicht im Stich lassen, sondern weiter an ihrer Seite stehen. Nach wie vor geben wir die Hoffnung auf eine demokratische und friedliche Entwicklung in Nicaragua nicht auf.

Gegenseitige Besuche im Jahr 2018

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Masatepe fand Anfang März eine Delegationsreise nach Masatepe statt, organisiert von Marta Wachowiak, Koordinierungsstelle für kommunale Entwicklungspolitik. An der Reise nahmen teil Walter Astheimer, 1. Kreisbeigeordneter, Sven Christiansen, leitender Angestellter in der Kreisverwaltung, Stefan Metzger, Geschäftsführer des Abfallwirtschaftszentrums, Ute Jochem, stellvertretende Vorsitzende des Partnerschaftsvereins und Dolmetscherin sowie Marta Wachowiak selbst. Die Reise wurde von allen Seiten als sehr erfolgreich gewertet, da die Kontakte zur Stadtverwaltung in Masatepe und zum dortigen Partnerschaftsverein vertieft werden konnten. Und es gab Ideen für größere Entwicklungsprojekte, beginnend mit einem Antrag an Engagement Global im Rahmen des Programms „Nachhaltige Kommunalentwicklung durch Kommunale Partnerschaften“ (NAKOPA) über 50.000€ zur Verbesserung und zum Ausbau der Müllentsorgung in Masatepe. Der Antrag wurde inzwischen aufgrund der politischen Situation und mit unserem Einverständnis verschoben.
Vom 28. – 31.10.2018 nahmen auf Einladung von Engagement Global die Bürgermeisterin von Masatepe, Frau Dr. Gioconda del Socorro Aguirre und die Vorsitzende des dortigen Partnerschaftsvereins, Frau Catalina Bojorge, an der „Kommunalen Partnerschaftskonferenz mit Lateinamerika und der Karibik“ in Nürnberg teil. Im Anschluss an diese Konferenz weilten beide bis zum 9.11.2018 im Kreis Groß-Gerau und absolvierten ein umfangreiches Besuchs- und Gesprächsprogramm. U.a. fanden Gespräche mit Landrat Thomas Will und dem 1. Kreisbeigeordneten Walter Astheimer sowie mit dem Bürgermeister von Groß-Gerau, Herrn Walther, statt, sie besuchten die Werkstätten für Behinderte in Rüsselsheim, den Abfall-Wirtschaftsservice in Büttelborn, die Luise-Büchner-Schule in Groß-Gerau und die Anne-Frank-Schule in Raunheim sowie das Integrationsprojekt an der Schillerschule in Groß-Gerau, die Kreisvolkshochschule und die Freiwillige Feuerwehr in Wallerstädten sowie den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Stahl in Klein-Gerau.

Außerdem nahmen sie an einer Vorstandssitzung des Partnerschaftsvereins teil und hatten intensive Gespräche mit dessen Mitgliedern. Dabei wurde von unserer Seite mit Nachdruck auf die Bedeutung demokratischer Verhältnisse in Nicaragua hingewiesen und die Bedeutung einer wirklichen Versöhnung und einer Aufarbeitung der Konflikte betont. Es wurden neue Projektideen entwickelt und die Hoffnung bekräftigt, dass das zunächst verschobene NAKOPA-Projekt zur Verbesserung der Müllentsorgung ab 2019 umgesetzt werden kann. Es sei an dieser Stelle nochmals hervorgehoben, dass die neu geschaffene “Koordinierungsstelle für kommunale Entwicklung“ bei der Kreisverwaltung vor allem auch durch die Person von Marta Wachowiak, die diese Stelle besetzt, viele wertvolle Impulse und auch konkrete Maßnahmen gebracht hat, die die Partnerschaft insgesamt als auch unsere Arbeit als Partnerschaftsverein ganz erheblich intensiviert hat. Für diese engagierte und erfolgreiche Arbeit drücken wir Martha Wachowiak unseren herzlichen Dank aus und wir hoffen, dass diese Arbeit trotz der schwierigen Situation in Nicaragua mit Erfolg fortgeführt werden kann.

Freiwilligendienst „Weltwärts“

Seit September 2017 verrichtete Paola Gattano mit großem Engagement und sehr erfolgreich ihren „Weltwärts“-Freiwilligendienst in Masatepe. Sie gab Sprachkurse für Deutsch und Englisch für Erwachsene, unterrichtete an der Grundschule „Damas Salesianas“ in Englisch und Sport, arbeitete im Landwirtschaftsprojekt ICIDRI mit, führte einen Yoga-Kurs durch und unterstützte das Behindertenzentrum „Angelitos“. Leider musste sie ihren Aufenthalt in Masatepe im Mai 2018 auf unsere Anweisung hin vorzeitig beenden, weil die Situation zu gefährlich wurde. Wir standen die Wochen vorher fast täglich in telefonischem Kontakt mit ihr. Der Mentor in Masatepe, Oliver Cerda, gab schließlich an, ihre Sicherheit nicht mehr garantieren zu können, zudem sei der Transport zum Flughafen Managua in Frage gestellt. Deshalb entschieden wir uns für den Abbruch, wenige Tage bevor das Entwicklungsministerium alle Weltwärts-Freiwilligen aus Nicaragua zurückholte. Paola Gattano kam traurig, aber wohlbehalten am Flughafen Frankfurt an.

Leider konnten die beiden neuen Freiwilligen, René Gottwald und Luca Cordes, ihren Freiwilligendienst im August 2018 nicht antreten. Die unsichere politische Situation lässt das nicht zu, es gibt nach wie vor eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes und es sind derzeit keine Weltwärts-Freiwilligen in Nicaragua. Das ist sehr schade, beide hatten sich sehr auf ihren Freiwilligendienst gefreut, die Flüge waren schon gebucht und sie waren gut vorbereitet. Wann wir wieder Freiwillige nach Masatepe schicken können ist derzeit völlig unklar.

Seit August 2018 ist wieder, nach einem Jahr Pause, mit Julio Sanchez ein Süd-Freiwilliger aus Masatepe im Kreis Groß Gerau, der von uns betreut wird. Er arbeitet in der Kreisvolkshochschule, wohnt in einer Gastfamilie und spricht bereits recht gut deutsch.

Entwicklungsprojekte

  • Unser bislang größtes und langfristigstes Projekt, die Unterstützung des ambulanten Therapie-Zentrums für behinderte Kinder und Jugendliche „Angelitos por siempre“ hat seine Arbeit mit geringfügigen Unterbrechungen auch in diesem Jahr fortgesetzt, das Gebäude ist sogar im September/Oktober renoviert worden. Auch unsere finanzielle Unterstützung wurde und wird fortgeführt, die Abrechnung erfolgt verlässlich über die Stadtverwaltung Masatepe. Wir leisten Beiträge zur Arbeit der Verwalterin, einer Physiotherapeutin, des Nachtwächters und wir bezahlen die Transportkosten. Zwei weitere Therapeuten werden von der „Brigada Bernesa“ aus der Schweiz finanziert. Spenden seitens des Kreises Groß Gerau sowie eine Spende des „Eine-Welt-Ladens“ Raunheim und Spenden der Schülergruppe „Ayuda para Masatepe“ der Luise-Büchner-Schule in Groß-Gerau unterstützen uns.
  • Ein Anbau für die Vorschule der Schule Campos Azules wurde realisiert und aus Mitteln des Kreises und der Stadt Groß-Gerau über zus. 6.739$ finanziert. Der Anbau wurde im September eingeweiht.

Anbau „Campos Azules“ / Einweihung der neuen Vorschulklasse
  • Die Anne-Frank-Schule in Raunheim überreichte uns anlässlich des Besuches der Gäste aus Masatepe eine Spende in Höhe von 1.000€ für die Schule in San José.
  • Mit unserer Unterstützung konnten in der Grundschule „Damas Salesianas“ bauliche Schäden behoben werden, die durch eine Überschwemmung entstanden waren.
  • Ein zusätzlicher Klassenraum für die Grundschule in La Sabanita konnte bislang nicht verwirklicht werden, dazu fehlt noch die Genehmigung durch das Kultusministerium.
  • Auch der Anbau an das Gesundheitszentrum „Centro de Salud“ für einen Warte- bzw. Schulungsraum wurde leider nicht verwirklicht. Ein Antrag dazu an die Schmitz-Stiftung war, nach eineinhalb Jahren, im Mai 2018 endlich genehmigt worden. Aufgrund der langen Wartezeit und einem zweimaligen Wechsel in der Leitung des Centros ist die für den Raum vorgesehene Fläche mittlerweile anders bebaut worden. Wir haben das Projekt bei der Schmitz-Stiftung storniert.
  • Inzwischen liegen weitere Projektanträge vor für die Befestigung einer Straße in einem Wohngebiet im Stadtteil Nimboja, die erhebliche Wasserschäden aufweist, sowie für eine Baumaßnahme in der Grundschule „Amigos de Japon“. Zu beiden Projekten besteht noch Klärungsbedarf, aber wir hoffen, dass wir sie absehbar realisieren können.

Veranstaltungen

Mitglieder des Vorstands nahmen mehrfach an überregionalen Veranstaltungen teil wie z.B. der Hessenkoordination der Nicaragua-Vereine, an der Partnerkonferenz zum 10-jährigen Bestehen von „Weltwärts“ des Qualitätsverbundes Ventao zusammen mit dem ehemaligen Süd-Freiwilligen und Mentor Oliver Cerda, an der Mitglieder-Versammlung von Ventao. Besonders erwähnenswert in diesem Jahr war die Teilnahme
  • am Europatag des Kreises Groß Gerau am 9.5. im Landratsamt mit einem Stand
  • mit einem Informationsstand im Rahmen der Interkulturellen Woche in Groß Gerau
  • an der Multivisions-Show „Unbekanntes Mittelamerika“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Fernweh-Winter“ am 20.11. im Landratsamt, ebenfalls mit einem Info-Stand. Über den Verkauf einer „Tollen Tüte“ werden von den Organisatoren Spenden an uns generiert, die gezielt für „Angelitos por Siempre“ bestimmt sind.

Die Arbeit unseres Vereins erfolgt rein ehrenamtlich, es entstehen keinerlei Verwaltungskosten. Wir bedanken uns bei allen sehr herzlich, die uns unterstützen, und wir wünschen ein gutes, gesundes und erfolgreiches Jahr 2019.

Partnerschaftsverein Kreis Groß Gerau – Masatepe/Nicaragua e.V.

Für den Vorstand

Heiner Friedrich
Vorsitzender